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Klein & Kunst, "Live dabeigewesen"
(15.10.05)
Wenn wildfremde Leute es sich im Wohnzimmer
gemütlich machen und heiße Gemüsesuppe in der
Porzellan-Terrine dampft, wenn auf der Couch ein Saxophon herumliegt
und Mikros vom Türstock hängen, dann ist wieder „Jazz
bei Ralf“.
Unter diesem Titel funktioniert der Jazzfreak Ralf Tiron ein-
bis dreimal monatlich seine Wohnung zum privaten Jazzclub um.
Seit 2001 geben sich in der familiären Umgebung der Hietzinger
Altbauwohnung arrivierte Jazz-Musiker und Newcomer die Klinke
in die Hand. Wenn es aus Platzgründen notwendig ist, spielen
die Bands auf zwei Zimmer verteilt. 25 Sitzplätze laden
zum Abhängen in Hinterzimmeratmosphäre ein, aber auch
für nur eine Handvoll Fans gibt man das Beste, nämlich:
zum Greifen nahe Musik.
Vor und
nach den Auftritten lässt es sich bei Snacks und dem einen
oder anderen Gläschen angenehm plaudern und mit den Musikern
fachsimpeln. Bei Ralf sind zwar alle per Du, Schwellenangst
muss also niemand haben. Im Gegenteil, auch Jazzneulinge, für
die Musik mehr als ein Nebengeräusch ist, kommen im Salon
Ralf auf ihre Kosten (Euro 12,50 Eintritt; Drinks, Snacks und
Gemüsesuppe incl.). Die Sessions werden professionell mitgeschnitten
(Werner Lachmann) und zu Best-of-CDs gemischt.
Letzten
Freitag (14.10.) gab sich die Stefan Wagner Group (Stefan Wagner
/ Gitarre, Edith Lettner / Saxophon, Wolfgang Heinrich / Bass,
Stephan Brodsky / Schlagzeug) zwischen Arbeits- und Wohnzimmer
die Ehre. Bereits in den 80-er Jahren zog der Musikjournalist
(Ö1) und Gitarrist mit seiner Formation durch die Clubs
und gab Selbstkomponiertes zum Besten. Bei Ralf brachte man
vor einer kleinen Schar MusikfreundInnen Stücke von der
ersten CD („Listen Well“, 2004). Der Titel ist Programm,
gut zuhören lohnt sich; der Stilmix reicht von Latin bis
Blues, sogar ein Walzer hat es auf die CD geschafft (in Ralfs
Salon leider nicht). Auch der Bildungsauftrag wurde nicht vernachlässigt:
Endlich weiß ich, wozu Jazznummern ihre Namen brauchen.
Ganz klar – damit die Musiker die richtigen Notenblätter
finden (Edith Lettner).
Ein besonderer
Abend mit durchwegs sympathischen Leuten und tadelloser musikalischer
Unterhaltung – nicht nur für’s Szenevolk.
Wiens -
laut Falter - einziger privater Jazzsalon ist zum Glück
einfach zu erreichen:
direkt bei der U4-Station Kennedy-Brücke, in der Nisselgasse
2 im 14. Bezirk. Rückfahrt bequem per Nachtbus (N60, N58)
alle 15 Minuten.
Jazz bei
Ralf – Programm: www.jazzzeit.at oder Tel. 01 894 65 09
CD-Tipp
1: „Listen Well“ Stefan Wagner Group; Mystica 450374
CD-Tipp 2: „Jazz bei Ralf“, live; jbr-rec. 003 04
Erhältlich bei Ralf und im gut sortierten Plattengeschäft.
Christian
Haas für Klein & Kunst Onlein